Wie der MDR einen Homo-“Heiler” rehabilitiert 

In einem Bericht von “MDR Sachsen-Anhalt heute” widerruft das Magazin die eigenen investigativen Recherchen – ohne die Vorwürfe von damals zu prüfen.

Screen Shot interviewszene
MDR-Autoren (r.) interviewen im Beitrag Vereinsvorsitzenden Ritter (l.) – Screenshot

Im Jahr 2014 hatte der Sender enthüllt, dass in den Seminaren des Leo e.V. Homosexualität als heilbare psychische Krankheit dargestellt werde. In einem Beitrag von dieser Woche Montag, in einem Rückblick vier Jahre nach dem Skandal, heißt es: “Bernhard Ritter sieht sich und ‘Leo’ heute rehabilitiert.” Weiter: “Homophob zu sein, wie ihm 2014 vorgeworfen wurde, wies und weist Herr Ritter vehement zurück.”

Dabei lagen genug Materialien vor, die die Homo-“Heiler”-Vorwürfe stützen. Der Vereinsvorsitzende Ritter veröffentlichte bereits im Jahr 1985 das Buch “Das Drama des gewöhnlichen Homosexuellen”, worin er beschreibt, dass Homosexualität aus einem Selbstmitleidmechanismus resultiere und daher behandelbar sei.

Seine Tiraden gegen Homosexuelle ziehen sich bis in die Gegenwart. Das Blog Leo Watch hatte vier E-Mails von Bernhard Ritter veröffentlicht, in denen der Vereinsvorsitzende für die “Heilung” von Homosexualität wirbt – bis ins Jahr 2016, als er seine Thesen zur Homosexualität in einer Anhörung vor dem Verwaltungsgericht Halle wiederholte. Im MDR-Beitrag ist davon keine Rede.

Screen Shot Ritter
Im Beitrag heißt es: “Bernhard Ritter sieht sich und ‘Leo’ heute rehabilitiert.” – Screenshot

MDR-Recherchen lassen zentrale Kritik ungeprüft 

Gegenüber Leo Watch verteidigt der Autor Frank Nowak die mediale Rehabilitierung von Ritter: “Das war das Ergebnis unserer Recherche. Unser Eindruck aus dem persönlichen Gespräch war, dass Herr Ritter nicht homophob ist.” Gleichzeitig macht Nowak deutlich, dass es in seiner “Recherche” nicht mehr als ein Interview mit Ritter gegeben habe. Man habe sich nicht noch einmal in ein solches Seminar gesetzt und sich von Ritter auch nicht die Seminarmaterialen geben lassen. Die Folge: Ritter durfte sich durch ein Interview quasi selbst rehabilitieren.

Dabei war der zentrale Vorwurf damals und heute nicht Ritters Person, sondern die Inhalte der von “Leo” angebotenen Seminare. Denn in diesen wurde von einer möglichen “Heilung” von Homosexuellen gesprochen. Doch genau diesen Punkt haben die MDR-Autoren nicht noch einmal geprüft.

Sender diskreditiert eigene Investigativ-Berichte 

Mit diesem neuen Fernsehbeitrag suggeriert der MDR, dass im Fall Leo nun alles sei wie zuvor, als hätte es die Enthüllungen 2014 nicht gegeben. Dabei gab nach der Enthüllung eine Diskussion im Landtag von Sachsen-Anhalt sowie eine lebhafte mediale Debatte, in der sich viele Vertreter*innen aus Politik und Kirchen zu Wort meldeten. Der Paritätische Wohlfahrtsverband schloss Leo aus. Der Verein selbst hat sich kaum verändert: Bekannte Homo-“Heiler” wie Gerard van den Aardweg sitzen weiter im Wissenschaftlichen Beirat von Leo e.V. – im MDR-Beitrag dazu kein Wort.

Was seltsam ist: Dem gut 5-minütigen Fernsehbericht aus dem Jahr 2014 waren nach Informationen von Leo Watch aufwändige Recherchen vorausgegangen. Die mediale Rehabilitierung im Jahr 2018 wurde nun mit einem kurzen Interview abgehandelt.

Ebenso verwunderlich ist, dass Autor Frank Nowak in dem Beitrag einen Kollegen, der an dem ersten Enthüllungsbericht gearbeitet hatte, in einem Halbsatz kritisiert: “Teilgenommen, wenn auch nur kurz, hatte 2014 ein Reporter des MDR.” Der MDR diskreditiert nicht nur seine eigene investigative Berichterstattung, sondern betreibt auch Kollegenschelte. Wieso bloß?

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2 Gedanken zu “Wie der MDR einen Homo-“Heiler” rehabilitiert 

  1. Erstmal danke für den Beitrag und diesen Blog! Habe den Post eben auf Facebook geteilt und den Hinweis bekommen, dass mensch bei solchen Fällen eine Beschwerde beim Rundfunkrat einreichen kann – vielleicht kann das ja sinnvoll sein, wenn der MDR nicht von selbst einen besseren und korrigierenden Beitrag veröffentlicht.

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  2. https://www.mz-web.de/landkreis-mansfeld-suedharz/verein-fuer-lebensorientierung-neue-beweise-gegen–homo-heiler–aus-bennungen–30044756 Der Verein ist nicht tragbar. Die berufen sich auf Dr. Gerard van den Aardweg, der meiner Meinung nach persönlichkeitszerstörende, wenn nicht sogar lebensgefährliche Umpolungskonzepte vertritt.

    http://www.mission-aufklaerung.de/umpolungsproblematik/homoheiler-in-deutschland/sonstige-gruppen.html

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