Queere Jugendarbeit kommt nach Sangerhausen

Es ist ein kleiner Erfolg: Der Landkreis Mansfeld-Südharz bekommt zum ersten Mal eine Jugendbildungsreferentin, die unter anderem auch für die Bereiche Homophobie und queere Bildung zuständig ist. Der Jugendhilfeausschuss des Landkreises hat in seiner Sitzung vom 11. Dezember laut Protokoll entsprechende Fördergelder beschlossen. Das geht aus Dokumenten hervor, die Leo Watch vom Jugendamt Mansfeld-Südharz durch eine Informationsfreiheitsanfrage erhalten hat und erstmals veröffentlicht.

Referentinnen-Stelle als direkte Konsequenz der Leo-Ereignisse  

In den Grundlagen zum Stellenprofil heißt es: „Ebenso zeigt die Entwicklung, dass stärkere geschlechterreflektierte und geschlechtersensible Ansätze in der Bildungsarbeit – vielleicht auch queere Bildung bezeichnet, erforderlich sind.“ Die Stelle hat einen direkten Bezug zu den homophoben Ereignissen im Landkreis in den vergangenen Jahren: „Hier spielen die Homophobie bezogenen Anlässe um den Leo e.V. (2014) und den Förderverein Schloss Mansfeld e.V. (2017) eine besondere Rolle“, heißt es in dem Dokument. Die „queere Bildung“ ist auch laut Stellenbeschreibung eine „grundlegende Zielstellung“.

Die Position wurde mit Helene Gormanns besetzt. Sie ist seit Anfang Januar Jugendbildungsreferentin beim Kreis-, Kinder- und Jugendring e.V. in Sangerhausen. Welche Maßnahmen konkret geplant sind, um Homophobie in der Region entgegenzuwirken, ist nach Informationen von Leo Watch allerdings noch nicht klar.

Alle Träger verpflichten sich den neuen Richtlinien

Doch nicht nur diese eine Referentin soll etwas gegen Homophobie tun. Mittlerweile wurden ebenso die Förderrichtlinien für die Kinder- und Jugendarbeit im Landkreis geändert. Das hatte der Jugendhilfeausschuss in seiner Sitzung im August gefordert. Schon kurze Zeit später gab es neue Richtlinien mit dem zusätzlichen Kriterium: „7. Findet die Vielfalt von sexuellen Identitäten und Lebensformen Berücksichtigung – besonders auf dem Hintergrund von Gender Mainstreaming?“

Diesen Richtlinien sind nun schon ab 2018 gültig. Das heißt, dass sich alle Träger der Jugendhilfe, die seit 2018 vom Landkreis gefördert werden, zu deren Einhaltung verpflichtet haben. Laut einer Übersicht schüttet der Kreis in diesem Jahr über 760.000 Euro an 14 Einrichtungen aus. Fraglich bleibt, ob diese Einrichtungen tatsächlich die „Vielfalt von sexuellen Identitäten“ in ihren Angeboten berücksichtigen. Ob die Träger dieser Selbstverpflichtung nachkommen, wird Leo Watch prüfen.

Fachtag für sexuelle Vielfalt in der Jugendarbeit

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Aus dem Flyer des Magdeburger Fachtags

Doch wie soll die queere Jugendarbeit konkret aussehen? Dazu wird es am 1. Februar einen Fachtag „Sexuelle und geschlechtliche Vielfalt in der Kinder- und Jugendarbeit“ in Magdeburg geben. Dort soll das nötige Wissen gesammelt und Erfahrungen ausgetauscht werden. Mehrere Mitarbeiter*innen des Kreis-, Kinder und Jugendrings aus Sangerhausen werden dort sein. Leo Watch wird diesen Fachtag ebenfalls vor Ort verfolgen und dokumentieren.

 

 

Diese Entwicklungen zeigen: Die Distanzierung vom homophoben Leo e.V. war nicht nur ein Lippenbekenntnis. Der Landkreis fördert queere Jugendarbeit jetzt auch mit öffentlichen Geldern. Das ist ein großer Fortschritt. Ob damit der homophoben Stimmung im Landkreis entgegengewirkt werden kann, ist aber noch nicht abzusehen. Bis „schwul“ unter Jugendlichen kein Schimpfwort mehr ist und bis sich Teenager ohne Bedenken outen können, ist es noch ein weiter Weg. Leo Watch wird öffentlich machen, wie viel „queere Bildung“ es in Mansfeld-Südharz tatsächlich geben wird.

 

 

 

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